Reifeneinlagerung, die sich rechnet: Preise, Prozesse, Platzbedarf
Mit der Reifeneinlagerung kommt der Kunde zweimal im Jahr in deine Werkstatt. Das bindet ihn wie kaum etwas anderes. Vorausgesetzt, sie kostet dich nicht mehr Nerven, als sie einbringt.
Was die Einlagerung wirklich einbringt
Der Lagerpreis selbst (üblich sind je nach Region 30–60 € pro Saison inklusive Wechsel-Rabatt) ist nur der Anfang. Der eigentliche Wert: Der Kunde kommt garantiert zweimal im Jahr. Jeder Termin ist eine Sichtprüfung, ein Gespräch, oft ein Folgeauftrag. Bremsen, Stoßdämpfer, HU-Termin: Vieles fällt beim Räderwechsel auf.
Rechne einmal nach, was ein Einlagerungskunde über fünf Jahre bedeutet: zehn garantierte Besuche, zehn Gelegenheiten für einen Blick aufs Auto, zehn Gespräche über das, was demnächst ansteht. So oft bringt dir kein Werbebrief einen Kunden in die Halle. Und wenn die Räder bei dir liegen, wechselt der Kunde die Werkstatt praktisch nicht mehr.
Preise: ehrlich kalkulieren statt „schon immer so"
- Platz: Ein Radsatz braucht rund 0,5 m² Regal. Rechne deine Lagerfläche in Sätze um. Dann kennt plötzlich jeder die Miete pro Satz.
- Arbeit: Ein- und Auslagern, Waschen, Kennzeichnen: 15–20 Minuten pro Satz. Das gehört in den Preis, nicht in die Nächstenliebe.
- Zusatzleistungen: Wuchten, Ventile, Einlagerungscheck mit Profiltiefen-Protokoll. Sauber ausgewiesen statt „machen wir mit".
Der häufigste Kalkulationsfehler: Die Fläche wird vergessen, weil sie schon da ist. Die Halle kostet Miete, ob dort Räder liegen oder nicht. Aber jeder Quadratmeter mit Rädern steht für nichts anderes zur Verfügung. Wer ehrlich rechnet, merkt manchmal, dass die Einlagerung als Einzelleistung kaum trägt. Abschaffen musst du sie deshalb nicht. Setz einen Preis an, der sich rechnet. Oder kalkulier sie bewusst als Türöffner und sag das dann auch so.
Abläufe: Das Chaos beginnt beim Zettel
Wer Radsätze auf Karteikarten führt, sucht im Oktober. Ein digitales Reifenlager kennt Platz, Profiltiefe, DOT und Zustand jedes Satzes. Und es schreibt die Standgebühr automatisch weiter, wenn ein Kunde seine Räder einfach liegen lässt.
Drei Dinge erfasst du beim Einlagern, nicht hinterher aus dem Gedächtnis:
- Der Lagerplatz. Regal, Fach, Ebene, eindeutig und beschriftet. Wer den Platz nicht notiert, sucht im Schnitt ein paar Minuten pro Satz. Im Oktober sind das Stunden.
- Der Zustand. Profiltiefe pro Rad und DOT-Nummer, am besten mit Foto. Das ist dein Beleg, falls später über einen Schaden gesprochen wird. Und es ist die Grundlage für das Gespräch im Frühjahr: „Vorne sind es noch knapp vier Millimeter. Nächsten Herbst wird es eng."
- Die Zuordnung. Kundennummer oder Kennzeichen, nicht der Nachname. Von „Müller" gibt es in jedem Ort mehrere, von einem Kennzeichen nicht.
Der Kunde, der nicht wiederkommt
Jedes Reifenlager sammelt mit der Zeit Sätze an, zu denen niemand mehr auftaucht: Fahrzeug verkauft, Kunde umgezogen, Räder vergessen. Die Sätze belegen Platz, den du verkaufen könntest. Und irgendwann weiß keiner mehr, ob man sie entsorgen darf.
Dagegen hilft nur, es vorher zu regeln. Was passiert, wenn Räder eine Saison über den Termin hinaus liegen? Ab wann fällt eine Standgebühr an, und wie erfährt der Kunde davon? Schreib das einmal auf und gib es dem Kunden beim Einlagern mit. Und lass das System die Frist zählen, nicht dein Gedächtnis. Die rechtlichen Feinheiten zu Verwahrung und Verwertung klärst du einmal mit deinem Anwalt. Danach steht es in deiner Vorlage, und du musst nie wieder darüber nachdenken.
Die Saison ist der Stresstest
Was im Juni funktioniert, muss im Oktober unter Druck funktionieren. Den richtigen Satz an einem ruhigen Dienstag zu finden, ist etwas anderes, als ihn zu finden, während drei Kunden warten und das Telefon klingelt. Wie du die Wochen davor planst (Termine takten, Lager vorbereiten, Personal einteilen), steht ausführlich im Beitrag zur Winterreifen-Saison.
Ein Tipp daraus lohnt sich auch hier: Sortier vor Saisonbeginn die Sätze der ersten Terminwoche nach vorn. Klingt nach einer Kleinigkeit, spart aber an jedem Tag der Hochsaison echte Minuten.
Das Gespräch beim Einlagern ist die halbe Miete
Die zwei Minuten, in denen die Räder ins Regal gehen, sind der beste Moment im ganzen Jahr für ein ehrliches Gespräch. Das Fahrzeug ist da, der Kunde auch, und es geht sowieso gerade um Reifen. Drei Sätze reichen:
- Was du gemessen hast. „Vorne noch gut, hinten sind wir bei knapp vier Millimetern." Kein Verkaufsdruck, nur die Zahl. Den Schluss zieht der Kunde selbst.
- Wann es eng wird. „Für diese Saison reicht es, im nächsten Herbst reden wir drüber." Damit weiß der Kunde, was kommt. In einem Jahr ist das Gespräch dann kein Verkauf mehr. Du erinnerst nur an etwas, das ihr schon besprochen habt.
- Das Alter. Bei älteren Sätzen lohnt der Blick auf die DOT-Nummer, auch wenn das Profil noch da ist. Wer das einmal erklärt, muss es nie wieder rechtfertigen.
Halt das Ergebnis am Radsatz fest, nicht im Kopf. Dann weiß beim nächsten Wechsel auch der Kollege, was besprochen war. Und der Kunde merkt, dass ihr wisst, was beim letzten Mal war, und nicht jedes Mal neu messt.
Wenn du das konsequent machst, musst du dich im Frühjahr kaum noch um Termine kümmern. Wie Kunden ihren Termin selbst online buchen, steht im Beitrag zur Online-Terminbuchung.